Jiu Jitsu - Kanazuchi-AndySan

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Kampfkunst
Jiu Jitsu

… ist ein System, welches sich im 16. Jahrhundert in Japan aus Techniken des Sumo-Ringens und chinesischen Kung-Fu-Techniken entwickelte. Es wurde zur Kunst der waffenlosen Selbstverteidigung für entwaffnete Samurai.

Jiu-Jitsu ist heute eine Selbstverteidigungssportart, die Techniken aus dem Judo, Karate und Aikido miteinander verbindet. Schlag- und Stoßtechniken sowie Hebel und Würfe werden sinnvoll und wirksam vereinigt. Der Unterricht besteht aus Zielgerichtetem körperlichem Training. Kondition, Kraft, Schnelligkeit und Reaktionsvermögen sowie technische Fertigkeiten werden gleichfalls intensiv trainiert.



Ehrenkodex der Jiu-Jitsu DAN-Träger:

Jiu-Jitsu ist eine Waffe. Wenn es gilt, mich selbst und andere zu schützen, Hab und Gut zu sichern, sowie Recht und Ehre zu verteidigen, so ist Jiu-Jitsu meine Waffe. Im traditionellen Geiste der Samurai werde ich Jiu-Jitsu niemals mißbrauchen.











Die Geschichte des Jiu-Jitsu

Über den Ursprung und den Anfängen des Jiu-Jitsu liegen undurchdringliche Schleier. Doch weiß die Legende, die über die Jahrtausende hin von Mund zu Mund überliefert wurde, einiges über die vermutliche Entstehung des Jiu-Jitsu zu berichten. Einmal - so wird gesagt - soll ein kleiner Chinesenjunge mit Namen Li-tei-feng bei einem großen Sturm voller Entsetzen beobachtet haben, wie die dicksten Bäumchen entwurzelt und stärkste Äste geknickt wurden. Nur ein kleines Bäumchen wurde verschont; es bog bescheiden seinen Wipfel hinunter zur Erde. Doch als der Sturm aufgehört hatte, richtete es sich wieder auf und stand unbeschädigt da wie zuvor. Der Schauplatz dieser Legende wird in China noch heute als die Geburtsstätte des Judo-Prinzips „Siegen durch Nachgeben“ angesehen. Eine andere Überlieferung erzählt von einem Weidenbaum und einem Kirschbaum im Winter. Unter der Last des Schnees brachen die Äste des Kirschbaums wie Streichhölzer, während die Weide biegsam nachgab, den Schnee abrutschen ließ und ihm keine Angriffsfläche bot. Auch hier wieder das Prinzip „Siegen durch Nachgeben“. Es ist möglich, daß diese beiden Begebenheiten in den frühen Anfängen des Jiu-Jitsu Pate gestanden haben; nachgewiesen werden kann es jedoch nicht.

In diesem Zusammenhang wird auch berichtet, das alte Jiu-Jitsu gehe auf eine besondere Massagekunst der Inder zurück. Diese kannten schon sehr früh über einhundert schmerzempfindliche Stellen am menschlichen Körper, die später in der Jüan-Dynastie (13.Jahrhundert) für den Zweikampf ohne Waffen ausgenutzt wurden und sich im heutigen Zweiggebiet des Judo, im Atemi-waza, wiederspiegeln. Die Verfechter der Meinung, das Jiu-Jitsu sei ausschließlich japanischen Ursprungs, haben viele Gegner. Denn zu allen Zeiten hat es Menschen gegeben, die im Ringkampf Mittel und Wege suchten, durch geschickte Ausnutzung der gegnerischen Bewegungen oder durch „geheime“ Griffe im Spiel zu siegen oder im Kampf zu überleben. An erster Stelle stehen die fernöstlichen Länder, Indien, China und Japan, die alte Schriften über „Raufkünste“ überliefert haben. Auch bei den Griechen gab es im Altertum das noch heute bekannte Pankration, eine Art von kombinierten Ring- und Faustkampf. Etwa im 11. Jahrhundert finden wir in Irland den Glima-Kampf, im 14. Jahrhundert haben wir den englischen Cornval-Stil, der ebenfalls als Nahkampf ohne Waffen betrieben wurde.

Über das alte deutsche Freiringen gibt es zahlreiche Kupferstiche von der Hand Albrecht Dürers (1471 - 1528), auf denen die Kunstgriffe der Landesknechte beim Ringen gezeigt werden; sie haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit den Wurftechniken des modernen Judo.

Es exestiert weiterhin ein Lehrbuch für Ringer von Fabian Auersbach, ferner ein Jiu-Jitsu-ähnliches Fechtbuch von Talhoffer, ebenso ein Buch „Das Ringen im Grüblein“ mit Judo verwandten Techniken und schließlich in Holland die „Worstel-Konst“ von Nikolais Petter.

Das eigentliche Jiu-Jitsu kam über Indien nach China und von dort nach Japan. Um etwa 650 n. Chr. Soll ein in Tokio lebender Chinese mit Namen Tsin Gembin einen japanischen Ritter (Samurai) erstmals in die Kunst des Jiu-Jitsu eingeweiht haben. Auch wird berichtet, dieser Chinese sei den Samurai an der Küste der Insel Hokkaito in die Hände gefallen und konnte sein Leben nur durch die Preisgabe seiner Kunst retten.

Diese Kunst wurde dann nach 1650 von den Samurai und später von vielen Tausenden nachahmungseifrigen Japanern zu einem großartigen System der Selbstverteidigung ausgearbeitet. So entwickelten sich im Laufe der Jahre - geographisch bedingt - viele Bezeichnungen Toride, Kogusoku, Kumiuchi, Shibaku, Yawara, Taijutsu (gilt noch heute als eine besondere Form des Wettkampfjudo), Wa-jutsu, Kempo, Hakuda und Jiu-Jitsu. Alle Systeme verfolgten den Grundgedanken, daß ein Schwächerer einen Stärkeren im Kampf ohne Waffen kampfunfähig machen und ihn, wenn nötig, töten könne, nach dem Grundsatz „ Drücke, wenn der Gegner zieht, und ziehe, wenn der Gegner drückt.

Als Ende des 19. Jahrhunderts - also nach 230 Jahren - das japanische Volk unter Einfluß der europäischen Zivilisation eine Periode der Verachtung alles Einheimischen durchmachte, wurde auch „die sanfte Kunst“ abgelehnt und geriet allmählich in Vergessenheit. Nur durch einen Zufall erfuhr die geniale Selbstverteidigung eine verdiente Rehabilitierung: Wiedererwecker war der deutsche Arzt aus Bietigheim/Württemberg, Dr. Erwin von Bälz, der heute als geistiger Initiator des Judo gilt.

Im Jahre 1877 machte dieser schwäbische Medizinprofessor an der kaiserlichen Universität in Tokio (von 1876 - 1982) den jungen Studenten Jigoro Kano (1860 - 1939) auf das alte Jiu-Jitsu aufmerksam. Dr. Von Bälz empfahl außerdem der Regierung die Verbreitung dieses großartigen Sports, wobei er zahlreiche Widerstände überwinden mußte. Auf seine Anregung hin arbeitete sein Schüler Kano eine Umformung des alten Jiu-Jitsu aus und machte dieses für dadurch für die gesamte japanische Jugend „salonfähig“. Mit 22 Jahren gründete Kano im Frühjahr des Jahres 1882 im alten Tempel „Eishoji“, zu deutsch Weidenherzschule, die erste Übungsstätte. Nach dem Studium aller bis dahin schon exestierenden verschiedenen Techniken, Richtungen und Schulen faßte Jigoro Kano diese zu einem eigenen Jiu-Jitsu-System zusammen.

Dieses wird noch heute in der westlichen Welt gelehrt. Kano ging aber weiter und entwickelte aus dem gefahrvollen Jiu-Jitsu die sanfte Sportart Jiu-Do (heute Judo, der sanfte Weg). Jigoro Kano sah anfänglich keinen erzieherischen Wert in dem zweckbetonten Jiu-Jitsu, außerdem war diese Selbstverteidigung für den Zweikampf auf der Matte nicht geeignet, und schließlich bemängelte Kano die fehlende Schönheit und Eleganz der Bewegungen. Kurzum, Kano schaffte alle verletzenden Griffe des Jiu-Jitsu ab und behielt lediglich für sein neues Judo einige Würfe und Bodenangriffe bei.

Nach dieser Zeit trat diese Sportart ihren Siegeszug durch Japan an. Jigoro Kano gründete im Jahre 1886 die größte Judolehrstätte Kodokan, die noch heute in Tokio exestiert. Der Kodokan gilt jetzt als das Mekka aller Judosportler der Welt. Und wenn diese während des Trainings ihren Kotau vor dem Gegner machen, ist diese Verbeugung gleichzeitig eine Ehrerbietung vor dem großen Kanoschen Judoprinzip. Immer mehr Mitglieder gingen seinerzeit zu Kano und fanden Interesse an seinem in das Gewand des Sports gekleideten moralischen Prinzip.

Heute erreicht die Zahl aller Judo-Enthusiasten der Welt die beachtliche Stärke von über 6 Millionen und hat damit sogar alle anderen Kampfsportarten überflügelt.

In Deutschland wurde das Jiu-Jitsu von Altmeister Erich Rahn, dem „Meister der 1000 Griffe“ eingeführt, der im Jahre 1906 die noch heute bestehende „Erste Berliner Jiu-Jitsu-Schule“ eröffnete . Rahn erreichte es, daß Jiu-Jitsu bei der Polizei, im Heer und in der Justizverwaltung gelehrt wurde. 1924 wurde er Dozent für Jiu-Jitsu an der Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin.


Webmaster: Andreas Hammer 01.11.2016
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